Arthritis ist eine der Krankheiten, die so gut wie jeder kennt. Man muss weder ein Arzt sein, noch selbst davon betroffen sein, um schon einmal von Arthritis gehört zu haben.

Geschwollene Gelenke, Schmerzen, Steifheit und in gravierenderen Fällen Immobilität sind alles Symptome von Arthritis. Die Erkrankung wird meist mit dem Altern in Verbindung gebracht und das aus gutem Grund: Osteoarthritis, die häufigste Form von Arthritis, wird durch Verschleiß des Knorpelgewebes verursacht, was logischerweise meist nach Jahren der Nutzung geschieht.

Was vielen aber nicht bekannt ist, ist das es auch Tausende von jungen Menschen gibt die von Arthritis betroffen sind. Dr. Ian Scott vom King’s College London hat mit uns über die verschiedenen Formen von Arthritis, die junge Menschen betreffen können, gesprochen.

Wie häufig tritt Arthritis bei jungen Menschen auf?

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Wie schon erwähnt ist Osteoarthritis die häufigste Arthritisform, diese tritt auf, wenn das Knorpelgewebe abgetragen wird und das Gelenk versucht diesen Schaden zu beheben. Das verursacht Schmerzen und Steifheit. Diese Form betrifft vor allem Menschen ab 40.

Menschen mit 16 oder älter können aber von anderen Formen von Arthritis betroffen sein. Rheumatoide Arthritis kann schon ab 16 auftreten, auch wenn Betroffene ihre ersten Symptome meist erst in ihren 40ern haben. Diese Form von Arthritis wird durch Veränderungen im körpereigenen Immunsystem, die zu Entzündungen der Gelenke führen, verursacht.

Andere weniger häufige Formen von Arthritis, die bei jüngeren Menschen auftreten können, sind Psoriasis-Arthritis (bei der Gelenksentzündungen bei Menschen mit Psoriasis auftreten, meist in den Fingern und Zehen) und Spondylitis ankylosans (bei der Gelenksentzündungen in der Wirbelsäule auftreten). Psoriasis-Arthritis tritt meistens bei Menschen zwischen 30 und 50 auf. Spondylitis ankylosans beginnt meist im Alter zwischen 20 und 30.

Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) kann Menschen schon als Jugendliche betreffen, und tritt meist schon vor dem 16. Lebensjahr auf. Auch bei dieser Arthritisform findet eine Entzündung der Gelenke statt.

Juvenile idiopathische Arthritis

Es gibt viele verschiedene Formen von JIA, die häufigste ist Oligoarthritis, bei der nur ein paar Gelenke betroffen sind. Meist sind das ein oder beide Kniegelenke. Diese Form ist oft mild und vergeht häufig ohne Gelenksschäden zu verursachen.

Andere Formen haben mehr Ähnlichkeit mit rheumatoider Arthritis, Spondylitis ankylosans und Psoriasis-Arthritis.

Einer der größten Unterschiede zwischen JIA und Arthritis bei Erwachsenen ist, dass sich auch das Auge häufig entzünden kann. Diese Beschwerde wird Uveitis genannt. In manchen Fällen müssen Betroffene regelmäßig einen Augenarzt aufsuchen um sicherzugehen, dass sich die Uveitis nicht weiterentwickelt. Bei manchen Betroffenen mit schweren Fällen von JIA kann sich auch die Pubertät verschieben.

Die Rolle von Sport

Verschreibungspflichtige Medikamente sind für viele Betroffenen leider eine Notwendigkeit. Symptome können aber auch durch eine Veränderung des Lebensstils erleichtert werden.

Viele Experten empfehlen Sportübungen, auch wenn dies auf den ersten Blick vielleicht nicht logisch erscheint, da ja vor allem physische Anstrengungen, die die Bewegung von Gelenken betreffen, Schmerzen verursachen können. Besonders Sportübungen können aber dabei helfen Steifheit zu lindern, die Mobilität zu verbessern und in manchen Fällen auch die Schmerzen zu verringern.

Leichte Sportübungen, wie Schwimmen, Radfahren, Yoga und Pilates sind gute Methoden zur Stärkung der kardiovaskulären Fitness, zur Stärkung der gelenksunterstützenden Muskeln und zur Verbesserung der Flexibilität.

Wobei es wichtig ist den richtigen Sport zu wählen. Regelmäßige und sichere Übungen sind die beste Methode für junge Menschen ihre Beschwerde unter Kontrolle zu bekommen und ihre Gesundheit zu verbessern.

Können Ernährungsveränderungen helfen?

Es gibt derzeit noch keine wissenschaftlich belegten Erkenntnisse zum Nutzen einer bestimmten Ernährung, wenn es um die eindeutige Verbesserung von Arthritissymptomen geht. Wobei so manche Betroffene die Erfahrung gemacht haben, dass sich bestimmte Veränderungen positiv auf ihre Erkrankung auswirken.

Es gibt aber keine eindeutigen Ernährungsvorschriften für Menschen mit Arthritis und was Betroffenen helfen kann, hängt meist vom Individuum und der Art der Erkrankung ab. Eine ausgewogene Ernährung sollte auf jeden Fall, neben der Einnahme der richtigen Medikamente und der Ausübung von Sport, angestrebt werden.

Eine mediterranere Ernährung, die Fisch, Nüsse, Olivenöl und viel Obst und Gemüse enthält, ist auf jeden Fall eine gute Idee. Auch Lebensmittel, wie öliger Fisch, die reich an Omega-3-Fettsäuren, welche in bestimmten Situationen Entzündungen verringern können, könne.

Alternative Möglichkeiten

Manche Supplements, wie Glucosamin, konnten die Symptome von Osteoarthritis leicht verringern. Sie haben aber keinen Effekt auf JIA oder andere Formen entzündlicher Arthritis.

Akupunktur kann manchen Menschen aber dabei helfen mit dem Schmerz besser zurecht zu kommen und Massagen können Ängste, Stress und Muskelverspannungen lösen. Viele junge Menschen leiden auch unter Müdigkeit als Symptom ihrer Erkrankung, für sie ist es besonders wichtig ein gutes Zeitmanagement zu praktizieren. Ergotherapeuten und Rheumaspezialisten können dabei helfen.  

Hilfe dabei positiv zu bleiben

Auch der psychologische Effekt, den eine Erkrankung wie Arthritis haben kann, sollte nicht unterschätzt werden. Die Schmerzen können die Stimmung stark verschlechtern und frustrieren. Diese Gefühle sind ganz normal, sehr häufig und verständlich.

Sie sollten dennoch mit dem Arzt oder Spezialisten besprochen werden. Einige rheumatologische Abteilungen bieten auch psychologische Hilfe an.

Diese können dabei helfen:

  • mit den Schwierigkeiten, die Verfahren, wie Bluttests, Injektionen und Scans mit sich bringen, umzugehen.
  • sich an die neue Diagnose und Behandlung zu gewöhnen.
  • mit den Symptomen, die das Leben einschränken, wie der eingeschränkten Mobilität und den Schmerzen, umzugehen.
  • anderen die eigene Erkrankung und ihre Auswirkung verständlich zu machen.
  • mit jeglichen Sorgen, wie Zukunftsängsten, fertig zu werden.

Mit Stress umgehen

Von vielen Experten wird angenommen, dass sich Stress auch auf die Schwere von osteoarthritischen Schmerzen und der Häufigkeit von Ausbrüchen auswirkt. Aber kann Stress auch JIA verschlimmern? Besonders wenn man bedenkt unter wie viel Druck Jugendliche mit Prüfungen und anderen wichtigen Lebensereignissen stehen, wäre eine Antwort auf diese Frage interessant.

In London beschäftigen sich Forscher des Arthritis Forschungszentrums für adoleszente Rheumatologie UK (Arthrtis Research UK Centre for Adolescent Rheumatology) damit ob psychischer Stress zu JIA-Ausbrüchen führen kann. JIA kann in Zeiten von Stress zum Beispiel vor Prüfungen ausbrechen und hier wird untersucht warum das geschieht. Die Studie wird mehr als 100 junge Leute umfassen.