Jeder von uns wurde in seinem Leben schon mindestens einmal mit der berühmt berüchtigten Weihnachtsmann-Lüge konfrontiert - entweder wurden wir von unseren Eltern jahrelang an der Nase herumgeführt oder wir haben es tatsächlich bei unseren Kindern bereits genauso gemacht. Diese kleine Lüge gehört doch zur Kindheit, oder? Sie schadet doch auch niemandem - oder etwa doch?

Wir bei Treated.com haben uns einmal genauer mit diesem Thema beschäftigt. Welche psychologischen Auswirkungen hat die Weihnachtsmann-Lüge denn eigentlich auf unsere Kinder - und wie gehen sie damit um, wenn sie der Wahrheit auf die Schliche kommen?

Wir alle wissen - hoffentlich - dass es den Weihnachtsmann nie wirklich gegeben hat und dass er als cleverer Marketing-Gag in den 30er Jahren von der Coca Cola Company zum Leben erweckt wurde. Wir alle sind jedoch auf irgendeine Weise von ihm fasziniert, möchten uns die Weihnachtszeit fast gar nicht mehr ohne ihn vorstellen müssen.

Wir treffen ihn auf er Straße, in Kaufhäusern, bei Events, bei Familienfeiern - ja wo eigentlich nicht? Ganze Firmen haben sich auf den “Verleih” von Weihnachtsmännern spezialisiert; Kinder verbringen jedes Jahr Stunden damit, einen Wunschzettel zu verfassen. Die Post hat eine Adresse eingerichtet, zu der Briefe an den Weihnachtsmann geschickt werden können - ja sie werden sogar beantwortet!

Doch wie viel Lügen ist zu viel?

Die Auswirkungen der Weihnachtsmann-Lüge sind immens. Es ist keine Geschichte, die wir unseren Kindern ab und an erzählen wie der Struwwelpeter oder Max und Moritz. Es ist tatsächlich ziemlich rentabel - nicht unbedingt für Privatpersonen, sondern für Firmen. Und vor allem für Coca Cola.

Nun denn, welche Auswirkungen hat diese Lüge auf unsere Kinder? Die Experten sind sich dahingehend immer noch etwas uneinig. Autorin Melinda Wenner Moyer ist der Meinung, dass die Weihnachtsmann-Lüge definitiv zu den “guten” Lügen gehört und wir deshalb gar kein schlechtes Gewissen haben müssen. Diese Art von Lüge fördert ihrer Meinung nach die Vorstellungskraft von Kindern und dies wiederum zieht eine Reihe anderer positiver Nebeneffekte mit sich. Doch ist das wirklich so?

Autor David Kyle Johnson Ph.D. findet, dass diese Lüge dennoch ungerechtfertigt ist. Um die Vorstellungskraft zu fördern, so sagt er, muss das Kind sich im Klaren sein, dass der Weihnachtsmann tatsächlich gar nicht existiert. Quasi so, als wenn die Kinder Star Trek schauen und so tun als wenn der Gartentisch ein Raumschiff ist und sie dort nach Aliens suchen.

Auch schwirren im Internet viele Geschichten umher in denen Eltern berichten, wie ihre Kinder herausgefunden haben, dass es den Weihnachtsmann tatsächlich gar nicht gibt. So hat ein Kind, der kleine Jay, laut Scott C. Lowe seine Mutter vor der gesamten Klasse verteidigt und vehement darauf bestanden, dass es den Weihnachtsmann gibt, denn seine Mutter würde ihn doch niemals anlügen. Nun ja, wir können uns sicher vorstellen wie er sich gefühlt hat als er der Wahrheit auf die Schliche gekommen ist.

Vorkommnisse dieser Art könnten durchaus als schwerer Vertrauensbruch wahrgenommen werden. Die meisten Kinder im Alter zwischen sieben und neun Jahren (das Alter in dem die Mehrheit herausfindet, dass es den Weihnachtsmann tatsächlich gar nicht gibt) sind jedoch in der Regel eher weniger nachtragend und leiden auch an keinerlei posttraumatischer Belastungsstörung.

Zwischen diesen ganzen pro- und contra Argumenten, dürfen wir jedoch nicht vergessen, welche Rolle der Weihnachtsmann für uns oder unsere Kinder spielt - wie die Kinderaugen aufleuchten, wenn sie den Weihnachtsmann sehen. Und ja, auch wir Erwachsenen brauchen ab und an - wenigstens einmal im Jahr - etwas Magie, eine kleine Weihnachtslüge.

Versuchen Sie sich nicht allzu sehr in Weihnachtsmann-Angelegenheit hineinzusteigern. Erzählen Sie Ihren Kindern vielleicht, dass man gar nicht genau weiß, ob der Weihnachtsmann überhaupt existiert, dass es eine sehr berühmte Sage ist. Und wenn Ihre Kinder bereits an den Weihnachtsmann glauben, versuchen Sie ihnen die Wahrheit so schonend wie möglich beizubringen.

Wir von de.Treated.com wünschen Ihnen eine erholsame und gesunde Weihnachtszeit. Ho ho ho!

 

Verfasser: Antonia Lindner
antonia@treated.com
14. Dezember 2018