Die sozialen Netzwerke haben die Art und Weise der Kommunikation ganz klar revolutioniert. Für viele von uns sind sie ein essenzieller Teil des Alltags geworden.

Durch die sozialen Netzwerke sind wir nicht nur in der Lage, mit all unseren Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben; sie dienen auch dazu, Events zu organisieren oder unseren Freunden die wichtigsten Neuigkeiten mitzuteilen.

Die sozialen Netzwerke spielen eine wichtige Rolle dabei, dass wir ein abwechslungsreiches Gesellschaftsleben haben. Es wird angenommen, dass bis 2020 die weltweite Anzahl der Personen, die mindestens in einem sozialen Netzwerk angemeldet sind, auf bis zu 3 Milliarden ansteigt.

Die übermäßige Nutzung der sozialen Medien bringt jedoch auch einige Nachteile mit sich. Innerhalb der letzten Jahre gab es viele Berichte, die angaben, dass die übermäßige oder missbräuchliche Nutzung der sozialen Medien einen negativen Einfluss auf das Selbstbewusstsein und die psychische Gesundheit haben kann, besonders bei jüngeren Nutzern.

Um dies weiter erörtern zu können, haben wir mit Nicky Lidbetter gesprochen. Sie ist die Geschäftsführerin der Anxiety UK Stiftung, die sich auf psychische Gesundheit spezialisiert hat:

Die sozialen Medien sind für Jedermann auf Knopfdruck abrufbar. Dies hat zwar Vorteile, jedoch sollten auch die negativen Auswirkungen nicht in den Schatten gerückt werden.”

Social Media DE

Wie können sich die sozialen Netzwerke negativ auf die psychische Gesundheit auswirken?

Wie bereits erwähnt, haben die sozialen Netzwerke viele praktische Vorteile. Durch sie sind wir in der Lage, mit unseren Freunden in Kontakt zu bleiben, Veranstaltungen zu organisieren und uns einfach gegenseitig auf dem Laufenden zu halten.

Wann könnten die sozialen Netzwerke also negative Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit haben?

Sucht

Je mehr die sozialen Netzwerke ein fester Bestandteil unserer Alltagsroutine werden, desto mehr steigt das Risiko, dass wir emotional und mental abhängig von ihnen werden. Ein kürzlich veröffentlichter Artikel gab an, dass dem Tweeten oder dem Checken der E-Mails schwerer widerstehen zu sei als Alkohol und Zigaretten.

Die moderate Nutzung der sozialen Netzwerke führt wahrscheinlich zu keinerlei schwerwiegenden Problemen; sobald sie jedoch den Alltagsablauf stark beeinflusst, kann die Nutzung der sozialen Medien schnell zu einem Problem werden. Eine Abhängigkeit von den sozialen Netzwerken kann sich auf die Beziehungen zu den Mitmenschen, auf die Schlafgewohnheiten und auf die Leistungen bei der Arbeit, in der Schule oder während des Studiums auswirken.

Was macht die sozialen Netzwerke zu einem Suchtmittel?

  1. Sie sind leicht zugänglich. Man kann die sozialen Netzwerke auf so gut wie jedem Gerät nutzen, sei es der Computer, das Tablet oder das Smartphone.
  2. Es führt zu sofortiger Belohnung. Die sozialen Medien sind ein leichter Weg, der Langeweile zu entkommen.
  3. FoMO (Fear of Missing Out) Faktor. Die Angst davor, etwas zu verpassen, führt dazu, dass wir die sozialen Medien zu allen gegebenen Zeiten nutzen.

Wenn wir die sozialen Netzwerke zu jeder freien Zeit nutzen, kann dies dazu führen, dass es irgendwann zu einem Drang wird und wir niemals richtig abschalten oder entspannen können.

Vergleiche

Die verschiedenen Plattformen der sozialen Medien geben Nutzern die Möglichkeit, Einblicke aus ihrem Leben mit anderen Nutzern zu teilen und gleichzeitig stets auf dem neuesten Stand zu sein, was das Leben der anderen betrifft. Die konstanten Updates aus dem Leben der anderen Nutzer können jedoch auch dazu führen, dass wir unser Leben mit dem der anderen Nutzer vergleichen.

Die Unsicherheit, die entstehen kann, wenn wir uns mit anderen Nutzern vergleichen, kann dazu führen, dass wir uns in Gesellschaft anderer Leute nicht mehr richtig entspannen können”, erklärt Nicky. “Wir haben Angst davor, etwas falsches zu sagen oder für unser Aussehen oder Verhalten von den anderen verurteilt zu werden. Der ständige Vergleich mit anderen Leuten kann also Auswirkungen auf unsere Fähigkeit haben, langanhaltende Beziehungen zu anderen Menschen auszubauen und zu erhalten - sowie online als auch offline.”

Ständig nur sorgsam ausgewählte und bearbeitete Bilder zu Gesicht zu bekommen, kann bei uns Nutzern der sozialen Medien dazu führen, dass wir immer selbstkritischer werden. Diese Bilder können einige Leute zwar inspirieren, doch sie können bei anderen eine generelle Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben hervorrufen.  

Einsamkeit

Nutzer von sozialen Medien können sich mit anderen Nutzern aus der ganzen Welt vernetzen. Diese sozialen Plattformen können für einige Nutzer eine Art Hilfe darstellen; es ist jedoch auch möglich, dass die Nutzung der sozialen Medien Gefühle der Einsamkeit hervorruft. Eine Studie fand heraus, dass das Risiko, sich sozial isoliert zu fühlen, ansteigt, je öfter man sich auf sozialen Online-Plattformen bewegt.

Wie auch bei anderen Studien, die sich mit den Auswirkungen der sozialen Medien auf die psychische Gesundheit befassen, ist es schwierig, die genaue Ursache herauszufinden. Es ist möglich, dass sich Leute, die sich bereits sozial isoliert fühlen, den sozialen Medien zuwenden, um sich mit anderen Verbunden zu fühlen.

Cyber-Mobbing

Ein sehr beunruhigender Aspekt der sozialen Netzwerke ist das Online- oder Cyber-Mobbing. 70% der jugendlichen und 40% der erwachsenen Nutzer gaben an, bereits eine Art von Cyber-Mobbing erlebt zu haben.

Die Royal Society for Public Health gab an, dass Mobbing-Opfer eher an Depressionen oder Ängsten leiden oder sich selbst verletzen.

Populäre soziale Plattformen befolgen Richtlinien, die Mobbing oder andere Einschüchterungen oder gar Bedrohungen stoppen sollen. Hier finden Sie die Richtlinien für Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat und YouTube.

Nutzer können ebenfalls bestimmte andere Nutzer blockieren. Die blockierte Person kann dann keine Nachrichten mehr an die Person senden, von der sie blockiert wurde; auch das Profil kann die blockierte Person nicht mehr ansehen. Zudem ist es möglich, anzügliche oder beleidigende Bilder oder andere Medien zu melden. Die Administratoren der Internetseite werden den Inhalt dann überprüfen und bestimmte Maßnahmen ergreifen, falls nötig.

Ängste und Depressionen

Eine Studie zeigte dass die Nutzung mehrerer Plattformen sozialer Medien bei den Nutzern zu häufigerem Vorkommen von Angstgefühlen oder Depressionen führte.

Die sozialen Netzwerke erlauben den Nutzern eine Art gefilterte Realität Ihres Lebens darzustellen, die oft fernab der eigentlichen Realität liegt”, erklärt Nicky.

Wenn wir anfangen, uns selbst mit dem zu vergleichen, was wir in den sozialen Medien sehen, dann kann es sein, dass wir unrealistische Erwartungen an uns selbst stellen und versuchen, diese zu erreichen. Dies kann sich auf die psychische Gesundheit auswirken. Zu den Auswirkungen zählen beispielsweise:

  • Vermehrte Selbstzweifel
  • Unsicherheit, was das eigene Körperbild betrifft
  • Angstgefühle
  • Geringeres Selbstwertgefühl

Bei denjenigen, die bereits an Angstgefühlen leiden, können die sozialen Medien Probleme wie Dysmorphophobie oder ein geringes Selbstwertgefühl noch verstärken.”

Die sozialen Medien richtig nutzen

Die Nutzung der sozialen Medien kann und soll vor allem dem Vergnügen dienen. Wie wir jedoch bereits erklärt haben, ist es wichtig, die Balance zwischen der Online-Welt und dem realen Alltag zu finden.

Die folgenden 5 Schritte können Sie befolgen, um Ihre Nutzung der sozialen Medien besser zu kontrollieren:

  1. Abschalten. Es kann ratsam sein, hin und wieder eine Pause von den sozialen Medien zu machen. In einigen Fällen ist es hilfreich, wenn man pro Tag einen bestimmten Zeitraum festlegt, an dem man nicht auf den sozialen Medien aktiv ist.

Die moderne Technik hat unser Leben um einiges schneller gemacht, als es zuvor war; es entsteht eine Art Druck, sich schnell zu bewegen, schnell zu essen, schnell zu Leben”, erklärt Nicky. “Der konstante Fokus, bei allem, was wir tun, schnell zu sein, ist nicht gut für unsere Psyche. Mentales “Runterkommen” ist genauso wichtig wie körperliches. Unserem Kopf zu erlauben, mindestens 10 Minuten pro Tag frei zu sein, ist ratsam. Bestimmte Achtsamkeitstechniken wie beispielsweise Meditation können dabei helfen, den Kopf zu beruhigen und entspannen.”

Die Zeit, zu der es besonders wichtig ist, vom Computerbildschirm oder Smartphone fernzubleiben, ist die Stunde vor dem Schlafengehen. Wenn wir darauf verzichten, uns einem Bildschirm auszusetzen, kann dies dabei helfen, schneller einzuschlafen und auch die Schlafqualität zu verbessern.

Auch kann es hilfreich sein, an den Wochenenden auf die sozialen Medien zu verzichten, um voll und ganz abschalten zu können.

  1. Behalten Sie den Überblick. Es ist wichtig, dass Sie sich klar machen, dass der Inhalt, den Sie auf den sozialen Plattformen zu Gesicht bekommen, durchaus manipuliert sein kann. Was Sie sehen, entspricht in einigen Fällen nicht der Realität. Die perfektionierte Online-Welt kann die Realität etwas verzerren und Nutzern das Gefühl geben, dass sie nicht gut genug sind oder etwas verpassen.

Nicky meint: “Erinnern Sie sich stets daran, dass der Inhalt der sozialen Medien sorgsam ausgewählt und bearbeitet wurde, teilweise sogar professionell. Der Inhalt, den wir auf unserem Newsfeed sehen, ist also oft kein wahrheitsgemäßer Einblick in das echte Leben von jemand anderem; er gibt uns lediglich Zugriff auf die nachgebesserte Version dieser Person.”

  1. Balance ist das Zauberwort. Die Nutzung der sozialen Medien sollte neben Ihren alltäglichen Aktivitäten ablaufen - es sollte sie keinesfalls ersetzen.

Wir raten zu einem gesunden Gleichgewicht zwischen der Nutzung von sozialen Netzwerken und dem Nachgehen anderer Aktivitäten”, sagt Nicky. “Nehmen Sie sich bewusst eine Pause von den sozialen Netzwerken und genießen Sie den Moment. Dies kann sehr wertvoll sein und ermöglicht Ihnen, sich auf das zu konzentrieren, was Sie gerade machen (anstatt darauf, was sich gut als neues Profilbild eignen würde).”

  1. Setzen Sie sich ein Zeit-Limit. Der durchschnittliche Internetnutzer ist pro Tag mehr als zwei Stunden auf den Plattformen der sozialen Medien unterwegs. Jüngere Leute verbringen jedoch fast neun Stunden pro Tag auf diesen Plattformen.

Es kann ratsam sein, sich für die Nutzung der sozialen Medien ein Zeit-Limit zu setzen”, erklärt Nicky. “Indem wir ein wenig Zeit zu einer bestimmten Tageszeit einplanen um uns durch die sozialen Medien auf den neuesten Stand zu bringen und mit unseren Freunden und Followern zu kommunizieren, nutzen wir diese Zeit sinnvoller, als wenn wir bloß unterbewusst durch die Neuigkeiten scrollen.”

  1. Treiben Sie Sport. Eine gute Möglichkeit um ein gesundes Gleichgewicht zwischen Ihrer Online-Welt und dem Alltag ist, Sport zu treiben.

Nicky erklärt: “Körperliche Aktivitäten und Zeit draußen zu verbringen sind sehr wichtig; beides erlaubt uns, eine Pause von der ganzen Technik zu machen und den Moment bewusst zu genießen.

Die positiven Auswirkungen der sozialen Medien auf unsere Psyche

Obwohl die sozialen Medien zwar negative Auswirkungen auf unsere Psyche haben können, ist es wichtig zu wissen, dass die sozialen Netzwerke unserer Psyche (bei korrekter Anwendung) auch zugute kommen können.

Einige Leute nutzen die sozialen Medien um Unterstützung zu erhalten. Einige Plattformen bieten wertvollen Zugriff auf sogenannte Communities (Gemeinschaften), wo einige Themen möglicherweise offener diskutiert werden können als es von Angesicht zu Angesicht der Fall wäre. Dies erlaubt es den Nutzern, ihre Erfahrungen mit Gleichgesinnten zu teilen.

Soziale Netzwerke haben eine sehr große Reichweite, die auch dazu genutzt werden könnte, um der psychischen Gesundheit oder anderen gesundheitlichen Problemen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Eine Plattform zu bieten, wo sich Menschen mit ähnlichen gesundheitlichen Erfahrungen austauschen und informieren können, wäre besonders für diejenigen, die denken, sie wären mit ihrem Problem allein, sehr hilfreich.

Missbrauch vorbeugen

Bestimmte Verfahren zu haben, um gegen Cyber-Mobbing vorgehen zu können, ist wichtig. Verschiedene Plattformen sozialer Medien wurden jedoch ebenso mehrfach aufgefordert, die psychische Gesundheit ihrer Nutzer besser zu schützen.

Zu den Vorschlägen, wie die psychische Gesundheit der Nutzer besser geschützt werden kann, zählen beispielsweise:

  • Pop-up Benachrichtigungen bei übermäßiger Nutzung
  • Spezielle Kennzeichnung von bearbeiteten Bildern
  • Bereitstellung von Informationen bezüglich verfügbarer psychologischer Betreuung

Wirkt sich Ihre Nutzung der sozialen Netzwerke auf Ihre psychische Gesundheit aus?

Manchmal kann es schwer sein, festzustellen, ab wann sich die Nutzung der sozialen Medien auf Ihre psychische Gesundheit auswirkt.

Zu den potentiellen Anzeichen, dass sich Ihre Nutzung der sozialen Netzwerke negativ auf Ihre psychische Gesundheit auswirkt, zählen:

  • Der Drang, alles, was Sie machen, online zu stellen
  • Ein geringes Selbstwertgefühl
  • Die Nutzung der sozialen Plattformen kontinuierlich den ganzen Tag über
  • Nur geringe Freude an anderen Aktivitäten, die nicht online stattfinden

Nicky meint: “Sollten Sie tatsächlich an geringem Selbstbewusstsein, Angstgefühlen o.ä. Leiden, kann eine kurzzeitige kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein.”

Sollten Sie diese Art von psychischen Problemen erfahren, wenden Sie sich bitte schnellstmöglich an Ihren Arzt oder eine externe Beratungsstelle.