Es ist zwar so ziemlich das Letzte, woran wir im Urlaub denken wollen, doch die Wahrscheinlichkeit von Insekten und anderen winzigen Biestern gestochen und gebissen zu werden, ist besonders bei Reisen in heiße und tropische Gefilde hoch. Da das Risiko jedoch nun einmal existiert, sollten wir uns entsprechend vorbereiten.

Manche Insektenstiche und –bisse sind gefährlicher als andere. Die Bisse der Bettwanze beispielsweise führen lediglich zu einem juckenden Ausschlag, der zwar lästig ist, aber keine großen gesundheitlichen Risiken birgt. Mückenstiche und Zeckenbisse können es dagegen in sich haben.

Kürzlich haben wir eine Malaria-Weltkarte veröffentlicht, auf der zu sehen ist, in welchen Ländern die Gefahr einer potenziell tödlich verlaufenden Malaria-Infektion durch Mückenstiche besonders hoch ist. In den Medien war in den letzten Monaten viel über den Zika-Virus zu lesen, von dem u.a. das diesjährige Olympia-Gastgeberland Brasilien stark betroffen ist. Dieses Virus, das bei ungeborenen Kindern zu schweren Geburtsfehlern führen kann, wird ebenfalls durch Mücken übertragen.

Es gibt eine ganze Reihe Vorsichtsmaßnahmen, mit denen sich Reisende vor gefährlichen Insekten schützen können. Dazu gehören Anti-Mücken-Spray mit Wirkstoffen wie DEET, die Verwendung von Moskitonetzen über dem Bett und das Tragen körperbedeckender Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosenbeinen um den Mücken möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.

Malaria-Prophylaxe und Schutzimpfungen sind eine weitere wichtige Schutzmaßnahme vor der Abreise. Wie bereits erwähnt, ist die Website des Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf die beste Informationsquelle zu den jeweils notwendigen medizinischen Schutzmaßnahmen, die Reisende für ihr Zielland beachten sollten.

Trotzdem gibt es keinen vollständigen Schutz vor Insektenstichen. Selbst Reisende, die alle Schutzmaßnahmen sorgfältig beachten, können dennoch gestochen oder gebissen werden.

Es ist daher wichtig, nicht nur zu wissen, wie Sie sich vor Insekten schützen können, sondern auch wie  Sie mit Insektenstichen und –bissen umgehen sollten, wenn sie einmal aufgetreten sind. In diesem Ratgeber erklären wir, wie Sie die unterschiedlichen Insektenstiche erkennen, wie Sie sie behandeln und wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten.

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Insektenstiche Ratgeber

Mücken

Mückenstiche sind weltweit mit Abstand die häufigste Ursache für die Übertragung von Infektionserregern. So verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation WHO allein im Jahr 2015 über 200 Millionen neue Malaria-Erkrankungen, von denen etwa die Hälfte tödlich verlief.

Wie kürzlich besprochen, können Prophylaxe-Mittel gegen Malaria das Ausbrechen der Krankheit nach einer Infektion verhindern. Allerdings können sie nicht vor dem lästigen und manchmal sogar schmerzhaften Mückenstich selbst schützen.

Wie gefährlich ein Mückenstich ist, hängt von der gestochenen Person ab. In den meisten Fällen kommt es am Ort des Einstiches zu einer geröteten Schwellung, die einige Stunden oder länger juckt. Nach einigen Tagen klingt die Schwellung von selbst ab. Es gibt in der Regel keine speziellen Muster beim Auftreten von Mückenstichen. Touristen werden meist an den Beinen, Fußgelenken und Füßen gestochen, weil die Haut hier beim Urlaub generell nicht von Kleidung bedeckt ist.

Manche Menschen reagieren jedoch sehr empfindlich auf Insektenstiche, so dass sich bei ihnen Blasen auf der Haut bilden (siehe Diagramm). Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion, bei der eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase von unterschiedlicher Größe an der betroffenen Stelle entsteht.  

Allergische Reaktionen können sich auch in Form von Schwielen zeigen. Dabei tritt rund um den Stich eine blasse Schwellung auf.

Wie werden Mückenstiche behandelt?

Die wichtigste Maßnahme nach einem Moskito- oder Mückenstich ist die Einhaltung größtmöglicher Sauberkeit rund um die Einstichstelle. Eine kalte Kompresse kann ebenfalls zur Linderung der entzündlichen Reaktion beitragen.

Sind Blasen oder Schwielen an der Einstichstelle aufgetreten, sollte sie mit einem Pflaster abgedeckt werden um zu verhindern, dass Bakterien in die Haut eindringen können. Das Pflaster schützt auch vor einem Aufplatzen der Blase und beschleunigt den Heilungsprozess. Schmerzmittel und Antihistaminika helfen gegen begleitende Schmerzen und verhindern Entzündungen.

Sollten Sie extreme Schmerzen an der Einstichstelle haben oder eine Infektion bemerken, sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen.

Reisen Sie in ein Land, in dem es häufiger zu Infektionen durch Mückenstiche kommt, sollten Sie vorab medizinische Schutzmaßnahmen ergreifen.  Haben Sie sich mit Prophylaxe-Mittel versorgt und alle anderen Regeln beachtet und es kommt dennoch nach einem Mückenstich zu ernsthaften Symptomen wie Fieber, Atembeschwerden oder Übelkeit, sollten Sie dies als medizinischen Ernstfall betrachten und möglichst schnell handeln.

Zecken

Zecken sind winzige achtbeinige Tiere, die in Waldgebieten und in hohem Gras leben (und eigentlich zu den Spinnentieren gehören). Sie haben eine Größe zwischen wenigen Millimetern und einem Zentimeter. Meist sind Zeckenbisse harmlos und führen zu keinerlei Symptomen. In manchen Fällen können sie jedoch eine medizinische Behandlung erfordern.

Zecken lassen sich auf den Körper fallen und durchbohren die Haut um sich vom Blut ihres Opfers zu ernähren. Sie können tagelang auf der Haut sitzen bleiben, doch sie sind in der Regel leicht zu erkennen: Wie im Diagramm zu sehen, bleiben die Beine der Zecke zunächst sichtbar auf der Haut, während sie sich mit dem Kopf unter der Haut am Blut ihres Opfers gütlich tut.

Ist die Zecke selbst verschwunden, bleibt ein kleiner roter Punkt an der Stelle ihres Bisses zurück, die bei manchen Menschen zu Juckreiz oder Schwellungen führen kann (Schritt 2).

In seltenen Fällen können Zecken ernsthafte Krankheiten wie Borreliose übertragen. Zu den Symptomen dieser Krankheit gehören ein markanter Ausschlag (im Diagramm als Schritt 3 zu sehen), der sich in den Tagen und Wochen nach der Infektion weiter ausbreitet. Schätzungen zufolge bleibt der Ausschlag jedoch in bis zu einem Drittel der Infektionen aus. Die weiteren Symptome wie Müdigkeit, Fieber und Kopfschmerzen ähneln denen der Grippe, so dass eine Borreliose ohne Ausschlag nicht immer leicht zu erkennen ist.

Wie werden Zeckenbisse behandelt?

Wenn Sie befürchten, dass Sie von einer Zecke gebissen wurden, sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere beim Auftreten der hier beschriebenen Symptome. Wird die Borreliose-Infektion früh erkannt, kann sie mit Antibiotika meist erfolgreich behandelt werden.  Je länger die Infektion schon andauert, umso schwerer und langwieriger wird die Therapie. Unbehandelt kann eine Borreliose zu schweren medizinischen Komplikationen führen.

Bemerken Sie nach einem Zeckenbiss Schwellungen oder Entzündungen, könnte es sich um eine andere Infektion handeln, die ebenfalls den Einsatz von Antibiotika erfordert. Ihr Arzt wird Sie gerne beim richtigen Umgang mit dem Zeckenbiss beraten und Ihnen ein Mittel verschreiben um eine weitere Ausbreitung der Infektion zu verhindern und Hautreizungen zu lindern.

Pferdefliegen/Bremsen

Während Mücken und Zecken die Haut durchstechen um an das Blut ihrer Opfer zu kommen, schlitzen Pferdefliegen (auch als Bremsen bekannt) die Haut mit ihren messerartigen Unterkiefern regelrecht auf. Dadurch wird ihr Biss oft als sehr schmerzhaft wahrgenommen.

Bei manchen Menschen führt der Biss der Pferdefliege zu einer geröteten Schwellung, die darauf hinweist, dass sich das Immunsystem gegen die Bedrohung zu wehren versucht.

Pferdefliegen können anders als Mücken und Zecken keine Krankheiten übertragen, doch es dauert länger, bis die Haut nach ihrem Biss heilt. Dadurch steigt das Risiko einer Infektion. Bei Allergikern besteht außerdem das Risiko einer heftigeren allergischen Reaktion mit Ausschlägen und Schwellungen.

Wie wird der Biss der Pferdefliege behandelt?

Besonders wichtig ist es, die betroffene Stelle sauber zu halten um das Risiko einer Infektion zu minimieren.  Behandeln Sie die Stelle mit einem antiseptischen Hautspray und kleben Sie ein Pflaster auf. Ein leichtes Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen hilft gegen die mit dem Biss verbundenen Schmerzen.

Kommt es aufgrund einer allergischen Reaktion zu Schwellungen oder zu einem Ausschlag, sind Antihistaminika meist sehr hilfreich.

Bemerken Sie eine Pustel an der Stelle des Bisses oder fühlt sich die Stelle sehr warm an und ist stark gerötet, weist dies auf eine Infektion in.  Wenden Sie sich in diesem Fall an Ihren Arzt.

Flöhe

Flöhe tummeln sich meist im Fell des Haustiers oder im Fell herumstreunender Hunde und Katzen. Auch wenn Flöhe bei Haustieren in Deutschland weit verbreitet sind, haben viele Menschen eher im Urlaub Kontakt zu einheimischen streunenden Tieren und ziehen sich dann Flohbisse zu.

Flohbisse machen sich als Gruppe winziger roter Stiche bemerkbar und treten meist an den Beinen, Fußgelenken und Füßen auf (zum Beispiel wenn sich ein fremdes Tier am Bein reibt) oder an den Armen (wenn ein fremdes Tier gestreichelt wird).  Bei sehr empfindlichen Menschen kann es zu Blasen oder Pusteln kommen.

In der Regel führen Flohbisse nicht zu Infektionen. Sie können jedoch stark jucken. Wird dann dem Impuls nachgegeben, die juckende Stelle zu kratzen, kann sich die Wunde öffnen und so den Boden für Infektionen bereiten.

Wie werden Flohbisse behandelt?

Wie bei anderen Bissen ist auch hier größte Sauberkeit von Bedeutung. Antihistaminika helfen  bei einer allergischen Reaktion auf die Flohbisse. Antiseptischer Hautspray oder Hautsalbe und das Auftragen eines Pflasters schützt die Haut vor dem Impuls zu kratzen und erleichtern die schnelle Heilung.

Bettwanzen

Lästige Bettwanzen sind auch in Deutschland weit verbreitet. Sie sind meistens in Hotelbetten zu finden, die von vielen verschiedenen Menschen im Urlaub genutzt werden. Sie setzen sich in den Matratzen fest und sind an winzigen schwarzen Punkten (ihren Hinterlassenschaften) zu erkennen.

Bettwanzenbisse führen zu einer Vielzahl winziger roter Punkte, die sich meist am Oberkörper oder auf den Armen ausbreiten und leicht mit Mückenstichen zu verwechseln sind. Zu unterscheiden sind sie am leichtesten durch die Anordnung: Mückenstiche treten ohne erkennbare Logik überall am Körper auf, während die Bisse der Bettwanzen oft in einer geraden Linie oder in einer dichten Gruppe in Erscheinung treten (siehe Diagramm).

Wie werden die Bisse von Bettwanzen behandelt?

Meist ist gar keine Behandlung erforderlich. Die Bisse jucken zwar stark und sind lästig, doch sie verschwinden nach einigen Tagen von selbst wieder. Achten Sie auf Sauberkeit und halten Sie Bakterien von ihnen fern um eine Infektion zu vermeiden.

Beachten Sie, dass sich Bettwanzen sehr leicht verbreiten können. Wenn Sie fürchten, dass Sie sich im Urlaub Bettwanzen eingehandelt haben, sollten Sie sämtliche Kleidungsstücke aus dem Urlaub gründlich waschen und auch den Koffer sorgfältig von innen und außen reinigen. So können Sie verhindern, dass Sie die Bettwanzen auf Ihr eigenes Bett übertragen und dort festsetzen.