Den meisten Menschen ist bekannt, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel der Herzgesundheit schaden kann. Obwohl er meist mit Durchblutungsstörungen verbunden wird, ist Cholesterin ein Begriff den die meisten kennen ohne ihn wirklich zu verstehen.  Der Tag des Cholesterins wurde ins Leben gerufen um das Bewusstsein für die Gefahren, die ein erhöhter Cholesterinspiegel mit sich bringt, zu schärfen.

Um mehr über hohes Cholesterin zu erfahren, haben wir uns mit der britischen Expertin Barbara Dinsdale von Heart Research UK unterhalten. Sie klärt uns über die verschiedenen Cholesterintypen auf, wie sie im Körper wirken und welchen Einfluss Sie auf die Herzgesundheit haben.

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Was ist Cholesterin?

Es handelt es sich um ein weitverbreitetes Missverständnis, dass Cholesterin etwas "Schlechtes" für den Körper ist. Tatsächlich, so Barbara, könnte der Körper ohne Cholesterin nicht richtig funktionieren:

"Cholesterin ist ein wichtiger Baustein für die Zellwände und an der Produktion von Vitamin D, Magensäure und bestimmter Hormone wie Testosteron und Östrogen beteiligt. Ihre Leber stellt den größten Teil des vom Körper benötigten Cholesterins selbst her. Auch wenn verschiedene Lebensmittel Cholesterin enthalten, hängt es von der Art des Fettes ab und auch vom eigenen Lebensstil, wie viel Cholesterin und welchen Cholesterintyp Ihr Körper produziert."

"Gutes" und "Schlechtes" Cholesterin

Barbara erklärt uns, dass es zwei verschiedene Arten von Cholesterin gibt. Wenn diese aus dem Gleichgewicht geraten, treten gesundheitliche Probleme auf:

"Cholesterin bewegt sich eingeschlossen in Proteinen in Partikeln namens Lipoproteinen im Blutkreislauf fort. Es gibt zwei hauptsächliche Arten von Lipoproteinen, die einen Anteil an der Verkalkung der Gefäßwände in den Arterien (Arteriosklerose) und der Entstehung von Herzkrankheiten haben:

  • Low Density Lipoprotein (LDL, auf Deutsch: Lipoprotein niederer Dichte), das als "schlechtes Cholesterin" bezeichnet wird und das Cholesterin dorthin bringt, wo es benötigt wird,

  • Und High Density Lipoprotein (HDL, auf Deutsch: Lipoprotein hoher Dichte), das als "gutes Cholesterin" bezeichnet wird und das vom Körper nicht benötigte Cholesterin zur Leber zurück transportiert.

Probleme treten dann auf, wenn der LDL-Cholesterinspiegel erhöht ist und der HDL-Cholesterinspiegel niedrig ist. Das überschüssige LDL-Cholesterin wird dann in den Gefäßwänden der Arterien eingelagert – es kommt zur Arteriosklerose", so Barbara.

"Auf der anderen Seite wandert HDL von den Arterien weg in die Leber. Überschüssiges LDL und ein niedriger HDL-Spiegel kann, vor allem wenn weitere Risikofaktoren vorhanden sind, zu einer Verschlimmerung der Arteriosklerose führen. Dann erhärten sich die Arterien und verengen sich durch die verstärkte Bildung von Ablagerungen. Dies ist der Hauptgrund für Herzkrankheiten. Fast die Hälfte aller durch chronische Herzkrankheiten verursachter Todesfälle sind auf hohes Cholesterin zurückzuführen."

Es ist also nicht wirklich richtig, HDL und LDL als "gutes" und "schlechtes" Cholesterin zu bezeichnen. Zu Gesundheitsproblemen kommt es nur, wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten.

Risikofaktoren

Wie bei fast allen Gesundheitsproblemen können verschiedene Faktoren einen hohen Cholesterinspiegel begünstigen. Leider haben wir auf manche dieser Faktoren keinen Einfluss:

"Der Cholesterinspiegel steigt mit zunehmendem Alter und bei Frauen mit Erreichen der Menopause an.  Manchmal handelt es sich beim erhöhten Cholesterinspiegel um eine in der Familie vererbte Krankheit mit dem Namen Familiäre Hypercholesterinämie. Dadurch sind Menschen über 40 Jahre und Menschen, in deren Familie Familiäre Hypercholesterinämie auftritt, einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Weitere Risikofaktoren sind u.a. Diabetes, Übergewicht, Adipositas oder eine südasiatische Herkunft."

Treten in der Familie häufiger Schlaganfälle oder Herzprobleme auf, kann dies ebenfalls zu einem erhöhten Risiko führen. Weiterhin, führt Barbara an, trägt der eigene Lebensstil einiges dazu bei:

"In den meisten Fällen ist ein erhöhter Cholesterinspiegel das direkte Ergebnis unserer Ernährung, insbesondere der Mengen gesättigter Fettsäuren, die wir konsumieren."

Auch das Rauchen kann zu hohem Cholesterin führen, da die in Zigaretten enthaltenen Chemikalien die Funktion des HDL negativ beeinflussen können und so eine Verstopfung der Arterien herbeiführen.

Anzeichen und Symptome

Viele Krankheiten kündigen sich mit bestimmten Symptomen an, wenn sie im Körper entstehen, doch für hohes Cholesterin ist dies nicht der Fall. Tatsächlich wird ein erhöhter Cholesterinspiegel oft erst dann festgestellt, wenn es erstmals zu Herz- oder Kreislaufproblemen kommt.

"Es gibt keine eindeutigen Symptome für erhöhtes Cholesterin, außer im Falle der Familiären Hypercholesterinämie.", erklärt Barbara.

Dies sind zum Beispiel kleine sichtbare Beulen, die auf oder um den Fingerknöcheln auftreten oder an der Achillesferse. Dabei handelt es sich um Cholesterindepots. Auch gelbliche Ablagerungen am Auge können auftreten.

Für die meisten Menschen ist ein Test beim Arzt jedoch der einzige Weg um herauszufinden, wie es um den eigenen Cholesterinspiegel bestellt ist. Dies geschieht mit einer Blutprobe, die am Finger entnommen wird.

"Ab dem 40. Lebensjahr sollte alle fünf Jahre ein Cholesterintest durchgeführt werden", warnt Barbara, "Doch auch für jüngere Erwachsene kann es sinnvoll sein, sich schon früher testen zu lassen, wann immer sich die Gelegenheit ergibt."

Vorbeugung und Behandlung

Wie können Menschen ihr Risiko für hohes Cholesterin senken? Eine gesunde Ernährung ist das Wichtigste, so Barbara:

"Dazu gehören reichlich Ballaststoffe, Obst, Gemüse, Cerealien, Hülsenfrüchte, und lösliche Fasern (Beta-Glucan) , die u.a. in Haferflocken stecken, sowie einfache ungesättigte Fettsäuren die in Olivenöl, Rapsöl und anderen pflanzlichen Ölen enthalten sind, Nüsse, Samen, Avocados und Soja-Produkte."

Wer sich im Alltag nur wenig bewegt, kann den Cholesterinspiegel durch körperliche Aktivitäten senken. Entsprechende Tipps hält die deutsche Lipid Liga auf ihrer Website bereit. Raucher können ihr Risiko senken, indem sie das Rauchen aufgeben. Weitere Informationen über die Lipid Liga und ihre Arbeit können Sie auf ihrer Website erhalten.

Möchten Sie Ihren erhöhten Cholesterinspiegel mit Medikamenten senken, erhalten Sie in unserer Apotheke die entsprechenden Medikamente.