Valentinstag steht vor der Tür und viele Menschen werden sich fragen, wie sie ihre/n Partner/innen am besten ihre Liebe und Wertschätzung zeigen können, ob mit sentimentalen Geschenken, einem romantischen Essen oder einem Ausflug an einen besonderen Ort.

Dabei kommt die Frage auf: Wie wirkt sich eigentlich das Lieben eines/-r Partners/-in positiv auf die Gesundheit aus? Was sind die körperlichen und psychischen Vorteile der Liebe? Zusammen mit Dr. Daniel Atkinson, klinischer Leiter von Treated.com, haben wir uns mit dem Thema der Liebe und Gesundheit beschäftigt, um diese Fragen zu beantworten.

Umarmungen senken den Blutdruck

Untersuchungen haben ergeben, dass Umarmungen den Blutdruck sowie den Herzschlag reduzieren können und bei einem steigenden Herzschlag sogar zu einem geringeren Anstiegen führen.

Eine Studie zeigte, dass Paare, die für 10 Minuten Hände hielten und sich danach für 20 Sekunden umarmten, besser auf stressvolle Situationen wie das Sprechen vor Publikum reagierten. Der Blutdruck, Herzschlag und Anstieg des Herzschlages dieser Probanden waren niedriger als bei Paaren, die im Voraus keinen körperlichen Kontakt hatten.

Weitere Forschungen der University of Carolina unterstützen diese Befunde. Die Forscher untersuchten 59 Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren, die in den letzten sechs Monaten mit einem Ehegatten oder monogamischen Partner gelebt hatten. 

Für die Recherche besprachen die Frauen eine Situation mit ihren Partnern, in der sie sich besonders vertraulich und nahe zu ihnen gefühlt hatten, gefolgt von einem romantischen 5-Minuten-Video und einer zweiminütigen Unterhaltung. Abschließend umarmten die Paare sich für 20 Sekunden.

Nach der Umarmung hielten die Frauen einen Vortrag über einen kürzlich stressvolles Ereigniss und nahmen diesen auf. Der Blutdruck, Herzschlag und die Oxytozinwerte (ein Hormon, dass mit sexueller Erregung, Anerkennung, Vertrauen, Angst und der Mutter-Kind-Bindung im Zusammenhang steht) wurden während des Experiments durchgehend gemessen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen einen höheren Oxytozinwert und niedrigeren Blutdruck während der stressigen Aufgabe aufwiesen, wenn die sie im Voraus ihre Partner umarmt und mit ihnen über ein positives Ereignis gesprochen haben. Frauen, die angaben viele Umarmungen von ihren Partnern zu erhalten, wiesen allgemein höhere Oxytozinwerte im Laufe des Experiments auf.

“Die gesundheitlichen Vorteile der Liebe stehen im starken Zusammenhang mit dem Vertrauen einer Beziehung”, erklärt Dr. Atkinson.

“Das Vertrauen zwischen Partnern ist der bestimmende Faktor, der die Oxytozinwerte im Körper ansteigen lässt. Die erhöhten Hormonwerte schaffen ein Gefühl von Geborgenheit und Nähe zu unseren Partnern.”

Liebe und Unterstützung mindern das Risiko für Angina und Geschwüre

Eine Studie mit 10.000 männlichen Probanden fand heraus, dass Männer ein geringeres Risiko für Angina aufwiesen, wenn sie das Gefühl hatten, dass ihre Partner/innen sie ‘liebten und unterstützten’. Dies traf auch auf Männer zu, die zusätzliche Risikofaktoren wie ein hohes Alter oder Bluthochdruck hatten.

“Wir wissen, dass Einsamkeit und das Gefühl von Ausgrenzung unser Stressniveau erhöhen und einen schädlichen Effekt auf unsere Gesundheit haben können”, vermerkt Dr. Atkinson.

“Zu wissen, dass unsere Partner/innen bei uns stehen und sich um uns sorgen, kann dem entgegenwirken.”

Eine weitere Studie umfasste 8.000 männliche Probanden und deckte auf, dass Teilnehmer eher an einem Geschwür am Zwölffingerdarm leiden, wenn sie familiäre Schwierigkeiten haben oder sich von ihrem/-r Partner/in nicht geliebt oder unterstützt fühlen. Sogar bei Ärgerlichkeiten mit Arbeitskollegen war das Risiko für ein Geschwür erhöht, wenn die Probanden auf den Vorfall nicht reagierten und stattdessen ihre Gefühle unterdrückten.

Liebe macht uns glücklicher und somit auch gesünder

Die Grant Study, eine der längsten Studien, die jemals über das Glücklichsein durchgeführt wurde, entdeckte, dass positive Beziehungen uns glücklicher und gesünder machen. Den Befunden zufolge leiden Menschen in unglücklichen Beziehungen oder Einsamkeit an mehr Schmerzen, sind unzufrieden und führen einen ungesunden Lebensstil.

Die Forscher der Harvard University folgten 724 Männern über einen Zeitraum von 75 Jahren, um die ständige Entwicklung von Glück und Zufriedenheit festzuhalten. Mit Hilfe von Interviews, Fragebögen, Gehirnscans, Bluttests, Krankenakten und Gesprächen mit den Familien der Männer wurde jährlich dokumentiert, wie sie mit jeglichen Aspekten ihres Lebens zu Recht kamen. 

Mit einem/-r liebevollen Partner/in an der Seite schläft man besser

Eine türkische Studie fand heraus, dass Menschen besser neben einem/-r Partner/in schlafen, wenn sie diesen als zugänglich empfinden.

Die Untersuchung, an der fast 700 verheiratete oder zusammenlebende Personen im Alter von 35 bis 86 Jahren teilnahmen, ergab, dass es einen Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung der Zugänglichkeit des/der Partners/-in in Bezug auf die Bedürfnisse und den Schlaf der Teilnehmer gab.

Menschen, die das Gefühl haben, dass ihre Partner/innen sich um sie sorgen, haben eine geringere Tendenz ängstlich oder depressiv zu sein, was wiederum die Erholsamkeit unseres Schlafes beeinflussen kann. Es ist wichtig, dass wir uns sicher, geborgen und beschützt fühlen und nicht in einer bedrohlichen Umgebung sind, um einen erholsamen Schlaf zu haben.

Im Kindesalter erfüllen unsere Eltern diese Kriterien, doch als Erwachsene verlassen wir uns auf unsere Partner/innen, um uns geborgen und beschützt zu fühlen.

Liebe setzt Dopamin im Gehirn frei

Große Mengen von Dopamin (ein Neurotransmitter, der im Körper das Gefühl der Freude erhöht) und Noradrenalin (ein Stresshormon) werden im Körper freigegeben, wenn wir verliebt sind. Dabei schaffen diese ein Gefühl von Nervosität und Euphorie. 

Das Niveau der Erregung und Aufregung zeigen sich in Gehirnscans. Die primären Belohnungszentren regieren stark, wenn Menschen ein Foto einer attraktiven Person sehen im Vergleich zu einem Foto einer Person, die sie als nicht interessant empfinden.

“Ein erhöhter Herzschlag, schwitzende Hände, rote Wangen und ein Gefühl der Begierde können von Dopamin ausgelöst werden, wenn wir uns in jemanden verlieben oder verliebt sind”, erklärt Dr. Atkinson.

Aber Achtung, Sie können auch zu viel des Guten haben: Eine überhöhte Dopaminausschüttung kann Grundlage für eine ungesunde emotionale Abhängigkeit unseres/-r Partners/-in sein.