Während das Coronavirus sich weltweit weiter verbreitet, erfahren wir ständig neue Informationen über das Virus wie z. B. die Art, in der es sich ausbreitet, sowie die kurz- und langfristigen Folgen der Erkrankung. Mittlerweile sind die Atemwegssymptome, die durch die Infektion ausgelöst werden, den meisten bekannt. Aber welche anderen Auswirkungen kann COVID-19 haben?

Genau diese Frage hat sich eine Gruppe von Forschern in einer neuen Untersuchung gestellt. Sie waren besonders interessiert an den möglichen Auswirkungen des Coronavirus auf die sexuelle Gesundheit; darunter auch die Frage, ob COVID-19 Erektionsstörungen bei Männern auslösen oder verschlimmern kann.

Welche Studien wurden zum Coronavirus und der Sexualfunktion durchgeführt? 

Bis heute sind keine Fälle gemeldet oder Studien durchgeführt worden, die sich speziell mit der Auswirkung des Coronavirus auf die Sexualfunktion befassen; es liegen jedoch einzelne Daten vor.

Beispielsweise führte die amerikanische Nachrichtensendung NBC News eine Umfrage unter 9.000 Personen durch und stellte Fragen zu der Sexualfunktion. Von den Befragten sagten:

  • 24%, das Coronavirus habe einen positiven Einfluss auf ihr Sexualleben;
  • 28%, das Coronavirus habe einen neutralen Einfluss auf ihr Sexualleben;
  • 47%, dass das Coronavirus einen negativen Einfluss auf das Sexualleben habe.

Auch in China wurde eine Studie durchgeführt, die zeigte, dass die sexuelle Aktivität sowohl bei Männern als auch bei Frauen zurückgegangen war. 

Eine Umfrage unter Menschen in Bangladesch, Nepal und Indien, die sich auf die Auswirkungen von Isolation und Lockdown auf die Sexualfunktion konzentrierte, ergab, dass die Zahl der Menschen, die ein- bis fünfmal pro Woche Geschlechtsverkehr hatten, um 3,3% auf mehr als fünfmal pro Woche angestiegen war. 

Allerdings sind vollständige und schlüssige klinische Daten noch in weiter Ferne. Die Priorität für die medizinische Fachwelt war und ist es, auf das Virus zu reagieren, indem lebenswichtige Forschungen im Bereich der Heilung und Impfstoffe betrieben werden. 

Gibt es einen Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und dem Coronavirus?

Der Grund dafür, dass die vorhandenen, aber begrenzten Datensätze anscheinend zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen, liegt möglicherweise in Dingen wie entwicklungspolitischen und kulturellen Faktoren, und in der Art und Weise, wie verschiedene Regierungen auf die Pandemie reagiert haben. 

Beispielsweise führten viele Länder strenge Kontaktbeschränkungen ein, um die Übertragung des Virus zu begrenzen. Das bedeutet, dass viele Menschen aufgefordert wurde, zu Hause zu bleiben und soziale Kontakte zu vermeiden. Diese Einschränkungen reduzierten die körperliche Aktivität vieler, was sich wiederum negativ auf die Gesundheit der Gefäßfunktion und den Blutfluss auswirken kann; dies kann es für Männer gegebenenfalls schwerer machen, Erektionen zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. 

„Wir alle verbringen mehr Zeit zu Hause”, erklärt Dr. Daniel Atkinson, leitender Allgemeinmediziner von de.Treated.com, „und da die Zahlen der Infektionsfälle weiterhin schwanken, werden wir möglicherweise weiterhin mehr Zeit im Haus verbringen, bis eine wirksame Behandlung oder ein Impfstoff gefunden wird.

Dies kann sich auf verschiedene Weise auf unsere Gesundheit auswirken, eine davon ist weniger Bewegung. Manche Menschen stellen vielleicht fest, dass sie ihr Zuhause den ganzen Tag lang nicht verlassen, was schädlich sein kann, wenn es häufig und über einen langen Zeitraum geschieht. Mein bester Rat wäre es, in den Pausen und nach der Arbeit spazieren zu gehen oder zu laufen. 

Es gibt auch viele Kraftübungen, die zu Hause durchgeführt werden können, viele davon erfordern kein teures Zubehör. Dinge wie Push-Ups, Liegestütze und Kniebeugen.

Jegliche körperliche Aktivität ist besser als gar keine Bewegung. Als groben Richtwert sollten wir entweder 75 Minuten intensive Aktivität pro Woche oder 150 Minuten moderate Aktivität anstreben. Ziel ist es, mindestens zweimal pro Woche Kraftübungen durchzuführen, die jede primäre Muskelgruppe trainieren, wobei einzelne Übungen zwischen 12 und 15 Mal wiederholt werden sollten”.

Zu berücksichtigen sind auch die psychologischen Auswirkungen der Isolation, die zu Problemen wie Angststörungen, Depressionen und Stimmungsschwankungen führen können. Dies kann sich auch negativ auf die Sexualfunktion und die Libido (Lust auf den Geschlechtsverkehr) auswirken. Allerdings reagieren Menschen unterschiedlich auf Stress. Während bestimmte Menschen ihre Libido ganz oder teilweise verlieren können, stellen andere eine Zunahme ihres sexuellen Verlangens fest.

Das Gefühl, sich schlecht oder gestresst zu fühlen, kann sich auch negativ auf die natürliche Produktion wichtiger Chemikalien im Gehirn auswirken, von denen einige für die Libido und Sexualfunktion von entscheidender Bedeutung sind. Noch schlimmer könnte dies bei älteren Erwachsenen sein, die bereits mit den körperlichen Ursachen von erektiler Dysfunktion wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu kämpfen haben. 

Ärzte können als Reaktion auf diese psychologischen Veränderungen angesichts des Virus Antidepressiva verschreiben, wie z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Eine Nebenwirkung vieler Antidepressiva ist jedoch ein Verlust der Libido. 

Auch starke Kontaktbeschränkungen (Isolation) und psychische Probleme können die Fähigkeit, richtig zu schlafen, beeinträchtigen. Eine britische Studie, die sich mit diesem Thema befasste, ergab, dass über die Hälfte der britischen Bevölkerung auf dem Höhepunkt des Lockdowns unter Schlafproblemen gelitten hatte. Schlafentzug kann eine negative Auswirkung auf die Gemütslage sowie die Libido und sexuelle Fähigkeit haben. 

Erwachsene sollten versuchen, jede Nacht zwischen sechs und acht Stunden zu schlafen.

„Wir mussten uns alle an neue Verhaltensweisen im Alltag gewöhnen, die uns zuvor fremd waren. Die Coronavirus-Pandemie, die sich weltweit ausgebreitet hat, und Lockdowns und Beschränkungen mit sich führte, ist beispiellos”, sagt Dr. Daniel Atkinson, „daher wird es natürlich psychologische und verhaltensbedingte Auswirkungen auf Menschen geben.

Ich bin mir sicher, dass es für viele schwer war, ständig glücklich und optimistisch zu bleiben, als die Beschränkungen in Deutschland am strengsten waren. Seine Familie und Freunde nicht sehen zu können, wenig Zeit draußen in der Natur zu verbringen oder das Reisen einzustellen können sich allesamt negativ auf die Psyche auswirken.

Solange wir das Virus nicht in den Griff bekommen, was meiner Meinung nach erst geschieht, wenn wir ein wirksames Medikament oder einen Impfstoff finden, wird diese neue Art des Lebens erst einmal fortfahren. Sprechen Sie mit den Menschen, mit denen Sie zusammenleben, wenn es Ihnen psychisch schlecht geht. Wenn Sie allein leben, wenden Sie sich per Telefon oder das Internet an einen Nachbarn, Freund oder ein Familienmitglied. 

Sollte es Ihnen weiterhin schlecht gehen, vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Arzt. Dieser kann Ihnen ein breites Spektrum von Behandlungsmöglichkeiten anbieten, um Ihren Gemütszustand zu verbessern. Dabei geht es nicht darum, Ihnen einfach Antidepressiva zu verschreiben, um das Problem zu lösen. Zusammen mit Ihrem Arzt werden Sie einen umfassenden Plan erarbeiten, der Ihnen bei psychischen Beschwerden helfen kann.

Viele meiner Patienten erklären mir, dass Sie das Gesundheitssystem derzeit nicht belasten wollen. Wenn Sie versuchen, Ihre körperliche und geistliche Gesundheit zu verbessern, indem Sie regelmäßig Sport treiben, ausreichend schlafen und mit anderen über Ihre Sorgen und Probleme sprechen, aber all das nicht hilft, suchen Sie sich Hilfe von Ihrem Arzt, damit Ihr Zustand sich nicht verschlimmert”.

Ist COVID-19 eine Geschlechtskrankheit?

Zwar wird nicht davon ausgegangen, dass COVID-19 wie eine Geschlechtskrankheit sexuell übertragbar ist, doch geht dem Geschlechtsverkehr häufig ein Vorspiel voraus, das Küssen und einen Speichelaustausch umfassen kann. Das Virus kann auf diese Weise übertragen werden.

Falls in Ihrem Landkreis oder in Ihrer Region das Mischen von verschiedenen Haushalten derzeit verboten ist, verstößt sexueller Kontakt auch gegen die Beschränkungen, es sei denn, Sie leben mit dieser Person bereits im selben Haushalt. 

Das Coronavirus kann auch körperliche Auswirkungen haben, die Lust auf den Geschlechtsverkehr reduzieren. Beispielsweise wurden in einigen Krankheitsfällen Läsionen als Symptom von COVID-19 gemeldet, die auf dem ganzen Körper oder Teilen des Körpers, einschließlich dem Genitalbereich, auftreten. Der Hautausschlag ist noch nicht ausreichend untersucht worden, aber Vaskulitis oder Langerhans-Zell-Histiozytose werden als mögliche Ursachen in Betracht gezogen.

Darüber hinaus verursacht COVID-19 bei einigen Patienten einen Zytokinsturm. Dies ist im Wesentlichen eine starke Überreaktion des Immunsystems, bei der zu viele von einer bestimmten Proteinart (Zytokine) produziert wird, um das Virus zu bekämpfen. Das kann fatale Folgen haben. 

Ein Zytokinsturm kann juckende und eitrige Läsionen in verschiedenen Organen verursachen. Ein Symptom dafür sind petechiale Blutungen, die punktförmige, rote und violette Flecken verursachen. Dies kann sich an den Genitalien manifestieren, was sich wiederum negativ auf die sexuelle Stimmung auswirken kann. 

COVID-19 kann wichtige Prozesse im Körper wie die Herz-Kreislauf-Funktion stören und akute Herzschädigungen verursachen. Dies kann die Durchblutung beeinträchtigen, was wiederum dazu führen kann, dass Erektionen schwer zu bekommen sind. Viele der Medikamente, die zur Behandlung von Herz-Kreislauf- oder Herzerkrankungen eingesetzt werden – wie Diuretika vom Thiazid-Typ, die Aldosteron-Rezeptorblocker, die β-adrenergen Rezeptorblocker, oder ACE-Hemmer zur Kontrolle des Blutdrucks – bergen das potenzielle Risiko als Nebenwirkung Erektionsstörungen zu verursachen.

COVID-19 kann Auswirkungen auf das Nervensystem haben wie akute zerebrovaskuläre Erkrankungen, ischämische Schlaganfälle oder Hirnblutungen. Schlaganfälle haben einen negativen Einfluss auf die sexuelle Funktion und Libido, bei Männern auch auf Erektionsfähigkeit und Ejakulation. 

Die Autoren der Studie weisen abschließend auf das Fehlen von Fallstudien zur Sexualfunktion im Zusammenhang mit dem Coronavirus hin: 

„Wir haben einen dringenden Bedarf an Studien über die gegenwärtige und zukünftige Beeinträchtigung der Geschlechtsorgane von COVID-19-Patienten. Wir brauchen jetzt Programme entweder für die Patienten oder für die anderen gesunden Menschen, um Nachteile durch die Pandemie zu verhindern.”

Dr. Daniel Atkinson fasst zusammen, dass „es momentan nicht das wichtigste Thema ist, aber weitere Studien sind erforderlich, um die Auswirkung von COVID-19 auf die sexuelle Funktion zu beurteilen – als direkter Einfluss des Virus auf Personen und auf die weitere Bevölkerung in einem sozialen und kulturellen Kontext”.