Geschlechtskrankheiten sind in Deutschland leider noch immer ein Tabuthema. Oft geht eine sexuell übertragbare Infektion mit viel Schamgefühl einher. So viel, dass einige sogar den Gang zum Arzt vermeiden wollen.

Fakt ist jedoch, dass unbehandelte Infektionen schwerwiegende Folgen haben und sogar zu Unfruchtbarkeit führen können.

Einige Länder wie beispielsweise Großbritannien, gehen im Kampf gegen STIs (“sexually transmitted infections”, sexuell übertragbare Infektionen) in die Offensive. Neben Plakatwerbungen die dazu aufrufen, sich regelmäßig testen zu lassen, gibt es landesweit sogenannte GUM (Sexual health or genitourinary medicine) Kliniken, in denen man sich kostenlos einem Screening auf die gängigsten STIs unterziehen kann. Auch für Beratungsgespräche steht das geschulte Personal zur Verfügung und bietet ganz nebenbei noch kostenlos Kondome an.

In Deutschland sieht das ein wenig anders aus. Man hat das Gefühl, dass die einzige sexuell übertragbare Infektion, die wirklich thematisiert wird, HIV ist. Auch in Deutschland findet man Plakatwerbung, die dazu aufruft, sich mit Kondomen vor Aids zu schützen. Doch was ist mit den anderen Infektionen? Wissen wir Deutschen überhaupt, womit wir es genau zu tun haben?

Dieser Artikel befasst sich mit den folgenden STIs und den Antworten auf diese Fragen:

1. Wo kann ich mich testen lassen?

2. Wie läuft der Test ab?

3. Wie lange dauert es, bis ich das Testergebnis bekomme?

4. Wie teuer ist ein Test?

5. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

  1. Chlamydien
  2. Gonorrhö
  3. Genitalwarzen
  4. Genitalherpes

Chlamydien

Die erste Infektion, die wir nun etwas genauer unter die Lupe nehmen werden, ist die Chlamydien Infektion. Chlamydien ist eine der am häufigsten auftretenden sexuell übertragbaren Infektionen. Da sie jedoch nicht meldepflichtig ist, kann die Zahl der Erkrankungen nur geschätzt werden. Laut dem Robert Koch Institut liegt diese bei 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Wo kann ich mich auf eine Chlamydien Infektion testen lassen?

Frauen können sich bis zum 25. Lebensjahr einmal jährlich bei Ihrem Frauenarzt kostenlos auf Chlamydien testen lassen. Sie bekommen nach der Routineuntersuchung ein kleines Röhrchen, welches sie mit nach Hause nehmen können um dort den Morgenurin einzufangen. Dies wird dann ganz einfach in die Frauenarztpraxis zurückgebracht wo es ins Labor geschickt und untersucht wird.

Die empfohlene Testmethode um eine Chlamydien Infektion verlässlich feststellen zu können, ist jedoch der Abstrich. Bei Frauen wird dieser von der Gebärmutterschleimhaut genommen. Bei Männern wird ein Abstrich aus der Harnröhre oder aus dem Mastdarm genommen. Sollte es sich um eine Augeninfektion handeln (ja, auch hier kann man sich mit Chlamydien infizieren), wird das Augensekret untersucht.

Einige Hausärzte führen Tests auf Chlamydien durch, manche Gesundheitsämter oder Aufklärungszentren bieten sogar kostenlose Tests an. Sollte dies in Ihrer Region nicht möglich sein, gilt: Wenden Sie sich am besten an Ihren Frauenarzt oder Urologen. Die sind ja schließlich die Spezialisten auf diesem Gebiet.

Wie teuer ist ein Chlamydientest?

Männer, Frauen über 25 und Frauen unter 25, die ihren jährlichen kostenlosen Test schon hinter sich haben, müssen den Test auf eine Chlamydien Infektion selbst zahlen.

Sollte der Chlamydientest jedoch von einem Arzt verordnet werden, ist dieser in den meisten Fällen sogar kostenfrei. Sollte der Test nicht verordnet sein und sie möchten sich trotz der Abwesenheit jeglicher Symptome (was ja bei Chlamydien sogar relativ normal ist) testen lassen, zahlen Sie beim Frauenarzt, abhängig von den Konditionen Ihrer Versicherung, rund 70€. Wenn Sie sich auf eigene Faust an ein Labor wenden, und dort einen Test durchführen lassen, kann das nämlich ganz schön teuer werden. Ein Chlamydientest liegt hier bei zirka 110€.

Ganz schön kompliziert oder? Im Zweifelsfall sollten Sie sich dennoch immer zuerst an einen Spezialisten wenden, bevor Sie zu (meist ungenauen) Selbsttests greifen.

Besagte Selbsttests liefern das Ergebnis oft schon nach 15 Minuten; dies ist jedoch häufig nicht korrekt. Das Ergebnis von Abstrichen, die im Labor getestet werden, bekommen Sie nach 2 bis 10 Tagen.

Ein positives Testergebnis - und jetzt?

Wenn Sie den Test bei einem Arzt durchführen lassen haben, wird dieser Sie bei einem positiven Ergebnis wahrscheinlich in die Praxis bitten, um dort das weitere Verfahren mit Ihnen zu besprechen.

Zur Behandlung einer Chlamydien Infektion werden meist Antibiotika verschrieben. Die Anwendungsdauer kann von nur einem Tag bis zu einer mehrtägigen Einnahme reichen. Während der Einnahme sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden; bei der einmaligen Einnahme gilt das Verbot für 7 Tage.

Wichtig: Bei einigen Antibiotika kann es zu Wechselwirkungen mit der Antibabypille kommen. Falls Sie die Pille einnehmen, sollten Sie sich dahingehend bei Ihrem Frauenarzt informieren. Sollten Sie schwanger sein oder stillen, teilen Sie dies unbedingt Ihrem Arzt mit. Dies kann die Wahl des Antibiotikums beeinflussen und ist sehr wichtig.

Gonorrhö

Gonorrhö (auch Gonorrhoe oder Tripper) kann wie auch die Chlamydien Infektion vollkommen ohne Symptome verlaufen. Sollten dennoch Symptome auftreten, sind diese denen einer Chlamydien Infektion sehr ähnlich. Im Zweifelsfall gilt also: haben Sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer potenziell infizierten Person gehabt oder Symptome einer STI, gehen Sie lieber auf Nummer sicher und lassen sich testen.

Wo kann ich mich auf eine Gonorrhö Infektion testen lassen?

Auf eine Gonorrhö Infektion können sich Frauen bei Ihrem Frauenarzt und Männer bei ihrem Urologen oder Allgemeinarzt testen lassen. Auch in bestimmten Aufklärungszentren (die es jedoch leider bisher nur in größeren Städten gibt) können Tests durchgeführt werden.

Wie auch bei einer Chlamydien Infektion wird Gonorrhö mit Hilfe eines Abstrichs festgestellt. Bei Frauen wird dieser Abstrich aus der Scheide beziehungsweise dem Gebärmutterhals entnommen; bei Männern aus der Harnröhre, dem After oder dem Rachen (ja, an jeder Schleimhaut, wo die Körperflüssigkeit einer infizierten Person hingelangt, kann man sich auch infizieren).

Wie teuer ist ein Gonorrhö-Test?

Die Preise für einen Gonorrhö-Test sind recht ähnlich wie die für einen Chlamydientest. Abhängig von den Leistungen Ihrer Krankenversicherung zahlen Sie bei Ihrem Arzt um die 70€; bei einem unabhängigen Labor um die 110€. Sie können Sich auch für einen kleinen Aufpreis auf beides (Chlamydien und Gonorrhö) gleichzeitig testen lassen. Dies ist sogar empfehlenswert, denn

1. Wenn es sich nicht um die eine Infektion handelt, dann vielleicht um die andere

2. Und im schlimmsten Fall können Sie sich auch mit beidem infiziert haben.

Das Testergebnis erhält man nach zirka 2 bis 10 Tagen; abhängig von dem Labor, das den Abstrich untersucht.

Ein positives Testergebnis - und jetzt?

Wie auch die Chlamydien Infektion wird Gonorrhö immer mit Antibiotika behandelt. Es gibt jedoch viele unterschiedliche Arten von Gonokokken (die Bakterien, die zu Gonorrhö führen); aus diesem Grund ist es sehr ratsam, sich vor Einnahme des Antibiotikums testen zu lassen um feststellen zu können, welches Antibiotikum und welche Einnahmedauer bei der vorliegenden Infektion am besten geeignet sind.

Die Einnahmedauer variiert je nach Art der Bakterien; in einigen Fällen kann eine einmalige Einnahme genügen, es kann jedoch auch sein, dass das Antibiotikum über mehrere Tage eingenommen werden muss.

Genitalwarzen

Genitalwarzen (auch Feigwarzen genannt) sind - wie der Name schon vermuten lässt - kleine Warzen, die rund um den Penis oder die Scheide auftreten können. Anders als Chlamydien oder Gonorrhö werden diese nicht mit den Körperflüssigkeiten sondern durch Hautkontakt übertragen.

Berührt man also während des Geschlechtsverkehrs versehentlich die Warzen des Partners, besteht die Möglichkeit, dass sich nun auch bei Ihnen Warzen bilden.

Wo kann ich mich auf Genitalwarzen testen lassen?

Der Test auf Genitalwarzen erfolgt beim Frauenarzt oder Urologen. Nicht sichtbare Feigwarzen können von dem jeweiligen Arzt durch verdünnte Essigsäure, die auf die betroffenen Hautstellen getupft wird, sichtbar gemacht werden. Zur Diagnose genügt meist eine ausgiebige Betrachtung oder Abtastung der potenziell betroffenen Hautstellen. Sollte dies zu keinem eindeutigen Ergebnis führen, können die Feigwarzen festgestellt werden, indem Gewebeproben zur Untersuchung in ein Labor geschickt werden.

Ab dem 30. Lebensjahr empfehlen Frauenärzte einen HPV Test. Humane Papillomviren (HPV) sind für die Bildung von Feigwarzen zuständig; aus dem Test kann jedoch unter Umständen auch erkannt werden, ob die Person mit dem Herpesvirus infiziert ist.

Ein positives Testergebnis - und jetzt?

Zur Behandlung von Genitalwarzen werden verschreibungspflichtige Lösungen, Gels oder Cremes verwendet. Ihr Arzt wird Sie gerne beraten, welches Medikament für Sie am besten geeignet ist.

Genitalherpes

Auslöser von Lippenherpes aber auch von Genitalherpes sind Herpes Simplex Viren (HSV), die, sobald man sich einmal infiziert hat, ein Leben lang im Körper bleiben.

Diese können durch oralen, genitalen oder analen Geschlechtsverkehr von einem Partner zum anderen übertragen werden. Die Voraussetzung zur Übertragung ist jedoch, dass eine aktive Entzündung (welche auch ohne Symptome verlaufen kann) besteht.

Wo kann ich mich auf Genitalherpes testen lassen?

Auf Genitalherpes können Sie sich bei Ihrem Frauenarzt oder Urologen testen lassen. Die Symptome sind in der Regel klar erkenn- und zuordnungsbar.

Wie auch bei Genitalwarzen empfehlen Frauenärzte sich ab dem 30. Lebensjahr auf HPV testen zu lassen. Aus diesem Test kann man gegebenenfalls auch erkennen, ob die betroffene Person mit dem Herpes Simplex Virus infiziert ist.

Ein positives Testergebnis - und jetzt?

Zur Behandlung von Herpes-Ausbrüchen oder auch zur Vorbeugung dieser werden Virustatika wie beispielsweise Aciclovir verwendet. Diese Medikamente bekämpfen den Virus und verhindern dessen Ausbreitung.

Wie und über welchen Zeitraum das Medikament eingenommen wird, entscheidet Ihr Arzt.

Sicher ist sicher: lassen Sie sich testen

… Und zwar lieber früher als später. Natürlich kann es unangenehm sein, mit seinem Arzt persönlich über Themen wie diese sprechen zu müssen - noch unangenehmer sind allerdings die Nebenwirkungen oder Spätfolgen, wenn Sie eine sexuell übertragbare Infektion ungenügend oder gar nicht behandeln lassen.

Wie bereits erwähnt, können einige Infektionen wie beispielsweise Chlamydien oder Gonorrhoe auch komplett asymptomatisch, d.h. ohne Symptome verlaufen. Sollten Sie ab und zu ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern haben, ist es empfehlenswert, sich regelmäßig (z.B. einmal im Jahr) testen zu lassen, um Infektionen rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen mit diesem Artikel etwas näher bringen, wie wichtig es ist, offen mit dem Thema Geschlechtskrankheiten umzugehen und gegen ihre Verbreitung vorzugehen.

Sollten Sie Fragen oder Anregungen zu diesem oder anderen Themen haben, schreiben Sie uns gern eine E-Mail.

 

 

Verfasser: Antonia Lindner 
KundenserviceDE@treated.com
17. November 2017