Dass man schnell und einfach an Gewicht verlieren kann, ist eine sehr ansprechende Vorstellung für die, die gerne etwas abnehmen würden.

“Kurzzeitige” Methoden zur Gewichtsreduktion, die dem Anwender schnelle Ergebnisse versprechen, sind deshalb sehr beliebt.

Es ist jedoch so, dass diese Methoden gar nicht so unkompliziert sind, wie man vielleicht meinen mag; und auch wenn sie zu dem gewünschten Erfolg führen, dann tun sie das meist nur für kurze Zeit.

Natürlich ist Gewichtsreduktion keine Wissenschaft. Es gibt viele verschiedene Meinungen über dieses Thema von Experten auf der ganzen Welt. Viele medizinischen Theorien erleben Höhen und Tiefen was ihre Glaubwürdigkeit: ein Experte wird eine Idee verfechten, ein anderer wird dieser widersprechen und dies wiederholt sich wieder und wieder.

Das Ergebnis davon ist, dass der Laie von verschiedene Theorien in den Medien liest und hört und dass er oder sie dazu gedrängt wird, verschiedene Dinge zu glauben.

Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass jeder von uns in Sachen Gewichtsreduktion komplett verschieden ist. Nur weil eine bestimmte Methode bei jemandem funktioniert hat, bedeutet dies nicht, dass sie bei jedem anderen auch genauso erfolgreich ist.

In diesem Sinne haben wir uns überlegt, ein paar der am weitverbreitetsten Theorien zum Thema Gewichtsverlust einmal genauer zu untersuchen:

  1. Theorie 1: Verzicht auf Kohlenhydrate
  2. Theorie 2: Lebensmittel mit einem geringen Fettanteil
  3. Theorie 3: Verzicht auf Süßigkeiten
  4. Theorie 4: Nicht zu spät essen
  5. Theorie 5: Nicht frühstücken
  6. Theorie 6: Intensiv Sport treiben
  7. Theorie 7: Wasser verbrennt Kalorien
  8. Theorie 8: Die Diät meines Freundes

Theorie 1: Wer abnehmen will, sollte auf Kohlenhydrate verzichten

Diese Theorie verbreitete sich zu dem Zeitpunkt als die Atkins Diät immer populärer wurde; hier wird auf Kohlenhydrate verzichtet und mit proteinreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Käse ersetzt. Ursprünglich gab es kein Limit an Fettkonsum, dies wurde aber mittlerweile angepasst.

Es wurden eine Reihe von Studien durchgeführt, um herauszufinden, ob diese Art von Diät tatsächlich wirksam ist. Eine nennenswerte Studie im New England Journal gab an, dass eine Low-Carb Diät für kurze Zeit (3-6 Monate) durchaus gute Ergebnisse in Sachen Gewichtsreduktion liefert, dass sie für lange Zeit (12 Monate) jedoch keine Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Low-Fett Diät hat und dass diejenigen, die sich low-carb ernähren, eher dazu neigen, danach wieder an Gewicht zuzunehmen.

Kohlenhydrate enthalten weniger als die Hälfte an Kalorien als die gleich Menge an Fett. Sie sind außerdem eine Energiequelle und sollten zirka ein Drittel der Lebensmittel, die wir am Tag zu uns nehmen, ausmachen. Die Ballaststoffe, die in ihnen enthalten sind, führen auch dazu, dass wir ein Völlegefühl entwickeln und halten bis zur nächsten Mahlzeit vor.  

Die meisten Kalorien der stärkehaltigen Lebensmittel aus der Kohlenhydrat-Familie kommen von den Zusätzen, mit denen wir sie verzehren; Käse auf dem Sandwich, eine gekaufte Nudelsoße mit Zuckerzusätzen oder Kartoffeln, die wir in Öl anbraten.

Um Fett dauerhaft zu verlieren wird zu ballaststoffhaltigen Kohlenhydraten wie Vollkornbrot, Vollkorn Nudeln, Vollkorn Reis oder in Schale gebackenen Kartoffeln geraten. Es ist ebenfalls wichtig, dass Sie sich überlegen, was Sie dazu essen und gegebenenfalls gesündere Alternativen finden.

Theorie 2: Low-Fat Varianten von bestimmten Lebensmitteln helfen beim Abnehmen

Nicht unbedingt. Ihr Lieblingslebensmittel mit einer Variante zu ersetzen, die weniger Fett enthält, hört sich erst einmal sinnvoll an - die eigentlichen Vorteile sind jedoch minal.

Leider ist es tatsächlich so, dass Fett Essen besser schmecken lässt. Lässt man das Fett weg, so wirkt sich dies auch auf den Geschmack aus. Um also einen ähnlichen Geschmack beizubehalten, erhöhen viele Lebensmittelhersteller die Menge an Zucker und machen somit die positiven Effekte der Low-Fat Variante zunichte. Ein anderer Trick ist es, das fehlende Fett mit mehr Salz zu ersetzen - und davon essen vielen von uns sowieso schon zu viel.

Fettreduzierte Produkte können als solche vermarktet werden, wenn sie mindestens 30% weniger Fett enthalten als die Vollfettversion. Ein Produkt, das also sehr viel Fett enthält, wie beispielsweise Käse, wird auch in der fettreduzierten Variante noch sehr viel Fett enthalten; es wird also kein tatsächliches Low-Fett Produkt.

Eine alternative Option ist die Anpassung der Portionsgröße. Sie kaufen also wie gewohnt Lebensmittel mit normalen Fettgehalten, essen aber weniger davon.

Wenn Sie sich dennoch für eine fettreduzierte Variante entscheiden, schauen Sie sich vorher die Nährwerte an und überprüfen Sie, ob das reduzierte Fett nicht mit zusätzlichem Zucker ausgeglichen wurde.

Theorie 3: Süßigkeiten komplett wegzulassen ist essentiell um an Gewicht zu verlieren

Zu viele Naschereien (Produkte, die entweder sehr viel Zucker oder sehr viel gesättigte Fettsäuren enthalten) führen zu einer erhöhten Kalorienaufnahme und machen es deshalb schwerer, an Gewicht zu verlieren. Heißt dies jedoch, dass wir komplett auf sie verzichten sollten, um abzunehmen?

Das ist was eine ausgewogene Ernährung ausmacht; man kann sich ab und an auch mal etwas gönnen, dies sollte jedoch in Maßen geschehen.

Solch eine Diät wird nicht durch eine gelegentliche Belohnung beeinträchtigt; im Gegenteil kann dies sogar förderlich sein, damit Sie Ihre Lieblingsnascherein nicht zu sehr vermissen und ihnen nach längerem Verzicht nicht zu stark nachgeben.

Wenn Sie die Kalorien, die Sie normalerweise zu sich nehmen, reduzieren, so nimmt der Anteil des Hormons Leptin ab; dies reguliert das Hungergefühl und lässt Sie somit schneller hungrig werden. Wenn Sie sich gelegentlich also etwa gönnen, führt dies dazu, dass der Anteil von Leptin wieder ansteigt, und dass das Hormon das Hungergefühl stoppt und den Körper davon abhält, Fett zu speichern.

Theorie 4: Spät abends etwas zu essen setzt mehr an

Der Mythos, dass das Essen, das wir nach 20 Uhr zu uns nehmen, mehr ansetzt, wurde schon in mehreren Studien widerlegt. Eine Kalorie hat dieselbe Auswirkung ganz egal wann sie konsumiert wird.

Hier spielt eher eine Rolle, was wir spät nachts zu uns nehmen. Wir neigen eher dazu, zu einem ungesunden Snack oder Fast Food zu greifen, anstatt uns zu später Stunde noch etwas gesundes zu kochen. Chips, Schokolade, Eis oder Pizza enthalten alle entweder sehr viel Zucker oder sehr viel Fett - oder beides.

Wenn Sie dazu neigen, diese Lebensmittel eher nachts zu sich zu nehmen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie nicht vielleicht Ihre Ernährung tagsüber etwas anpassen wollen und ausgewogener essen, damit Sie das Verlangen nach diesen Lebensmitteln nicht vor dem Schlafengehen überkommt.

Theorie 5: Das Frühstück wegzulassen ist förderlich, wenn man abnehmen will

Kurz gesagt: Leute, die ein gesundes Frühstück zu sich nehmen, fällt es leichter, ihr Gewicht zu kontrollieren.

Zusätzlich zu dem Magenknurren führt das Weglassen des Frühstücks oder anderen Mahlzeiten dazu, dass der Blutzucker fällt. Dies kann zu Müdigkeit oder Reizbarkeit führen, da der Körper etwas herunterfährt, um Energie zu sparen.

Diejenigen, die das Frühstück weglassen, neigen außerdem dazu, zu zucker- oder fetthaltigen Varianten zu greifen, wenn sie ihre nächste Mahlzeit zu sich nehmen um die fehlende Mahlzeit auszugleichen. Da Ihr Körper dann außerdem noch im “Energiesparmodus” ist, wird es ihnen schwere fallen, die konsumierten Kalorien wieder zu verbrennen.

Regelmäßige kleine und gesunde Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, kann sich positiv auf das Gewichtsmanagement auswirken. Diese Variante ist auf Dauer effektiver und Sie sind nicht so anfällig für Stimmungsschwankungen.

Theorie 6: Hartes Training ist der einzige Weg um an Gewicht zu verlieren

Natürlich hat regelmäßiger Sport viele Vorteile; durch Sport allein an Gewicht zu verlieren, ist jedoch extrem harte Arbeit.

Die NHS (das englische Gesundheitssystem) empfiehlt 150 Minuten moderate körperliche Betätigung pro Woche für einen Erwachsenen - um tatsächlich an Gewicht zu verlieren, bedarf es jedoch etwas mehr. Eine Studie der Royal Society of Public Health gibt an, dass es 22 Minuten Joggen bedarf, um die Kalorien eines Schokoriegels zu verbrennen und 43 Minuten für eine viertel Pizza.

Um tatsächlich an Gewicht zu verlieren, muss man also mehr Kalorien verbrennen als man zu sich nimmt. Der einfachste Weg ist daher ein Mix aus beidem, der richtigen Ernährung und ausreichend körperliche Betätigung.

Körperliche Betätigung, die Ihnen bei dem Gewichtsverlust hilft, muss nicht immer mit den Cardio-Geräten oder schweren Hanteln im Fitnessstudio zu tun haben; auch flotte Spaziergänge, Tanzen oder Rasenmähen sind Aktivitäten, die durchaus effektiv sein können.

Natürlich verbrennt hartes Training mehr Kalorien als moderate körperliche Aktivität; man sollte sich jedoch regelmäßig bewegen und für jemanden, der ansonsten nicht so viel Sport treibt, ist moderate körperliche Betätigung leichter in den Tagesablauf einzuarbeiten und hilft, eine Routine zu schaffen. Dies gelingt meist nicht, wenn man sich kopfüber in hartes Training stürzt.

Theorie 7: Wasser trinken verbrennt viele Kalorien

Obwohl Studien gezeigt haben, dass Wasser trinken dabei helfen kann, Kalorien zu verbrennen, so ist dieser Effekt doch eher minimal.

Hydratisiert zu bleiben ist essentiell für die Gesundheit und Wasser anstelle von zuckerhaltigen Softdrinks zu sich zu nehmen, ist ein einfacher Weg, die Aufnahme von sogenannten leeren Kalorien zu vermeiden.

Es passiert auch oft, dass wir Durst mit Hunger verwechseln. Wasser zu trinken kann uns hier helfen, ein Völlegefühl zu erzeugen. Wenn Sie das nächste mal also das Verlangen nach einem Snack haben sollten, greifen Sie stattdessen zu einem Glas Wasser - vielleicht stillt dies Ihr Verlangen.

Theorie 8: Wenn die Diät für einen meiner Freunde funktioniert hat, dann klappt sie auch bei mir

Wir alle haben verschiedenformige Körper und unterschiedlich arbeitende Stoffwechsel. Ein Gewichtsabnahmeprogramm, das für eine Person funktioniert hat, wird nicht zwingend für jemand anderen auch funktionieren. Einige Leute haben einen aktiveren Lebensstil oder Berufe, in denen sie körperlich mehr beansprucht werden; auch das Alter und die Gene spielen eine Rolle.

Wenn Sie in Ihrem Gewicht ein Problem sehen oder darüber nachdenken, eine Diät zu starten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Dieser wird in der Lage sein, mit Ihnen über die Faktoren zu sprechen, die sich auf Ihr Gewicht auswirken und Ihnen zu einer Methode raten, die am besten an Ihre Bedürfnisse angepasst ist.

Wenn Ihr Gewicht ein Gesundheitsrisiko darstellt, wird Ihr Arzt Ihnen wahrscheinlich ein Medikament zur Gewichtsreduktion verschreiben um Ihr Gewicht besser kontrollieren zu können. Die Einnahme dieser Arzt von Medikamenten geht Hand in Hand mit körperlicher Betätigung und einer ausgewogenen Ernährung.