Die in der Weltbevölkerung stetig, fast epidemisch steigende Anzahl Übergewichtiger deckt alles ab: Rasse, sozioökonomischer Status, Geschlecht und Nationalität. Es handelt sich um ein globales Problem und beschränkt sich nicht auf einen bestimmten Personentypus.

Die Vermutung, Übergewicht ist einzig genetisch bedingt, ist daher nicht richtig.

Es gibt jedoch Studien, die darauf hinweisen, dass die Gene eine gewisse Rolle spielen.

Anstieg der Anzahl fettleibiger Menschen in Deutschland

Allein in den letzten 20 Jahren ist der Anteil sogenannter fettleibiger (adipöser) Menschen in Deutschland um fast zwei Prozent gewachsen, wobei der Anteil der Jugendlichen in den letzten 20 Jahren allein bei Übergewichtigen um über 50 Prozent gestiegen ist. Heute sind in Deutschland deutlich über 50 Prozent der Frauen übergewichtig und knapp 25 Prozent adipös. Bei den Männern liegt die Zahl sogar höher, bei 67 beziehungsweise 25 Prozent.

Genetische Änderungen bedürfen jedoch vieler Jahre, um sich zu manifestieren, sodass der starke Anstieg des Gewichts nicht allein genetisch bedingt sein kann.

Der Mangel an Bewegung steigt ebenso wie der der Kaloriengehalt unserer täglichen Nahrung. Dennoch wird nicht jeder körperlich inaktive Mensch bei gleichzeitig unachtsamer Nahrungsaufnahme fettleibig.

Warum neigen manche Menschen mehr zu Übergewicht als andere?

Betrachtet man das Körpergewicht in drei einfachen Punkten, ergibt sich folgende Kombination von Faktoren:

  • Wie viele Kalorien werden aufgenommen
  • Wie viele Kalorien speichert der Körper
  • Wie viele Kalorien werden verbrannt

Diese drei Punkte können von unseren Genen wie unserem Umfeld beeinflusst werden:

  Gene Umfeld
Kalorienverbrauch Appetit, Sättigungsgefühl Zugang zu Nahrung
Gespeicherte Kalorien  Verteilung des Körperfetts Zugang zu stark kalorienhaltiger Nahrung
Verbrannte Kalorien Stoffwechsel, Aktivität Bewegungsmöglichkeiten

Während Gene ihren Anteil an der Neigung zu Übergewicht haben können – wie also der Körper Energie verbrennt und Fett speichert – so spielen andere Faktoren aus dem Umfeld eines Menschen ebenso eine Rolle.

Genetische Variationen

Untersuchungen des Erbguts zielen darauf ab, ob es genetische Variationen gibt, die einer bestimmten Krankheit zugeschrieben werden können. Dazu zählt auch die Fettleibigkeit.

Eine minimale Änderung in der Struktur der DNS wird als genetische Variation oder als Einzelnukleotid-Polymorphismus (Änderungen in Teilen der DNS) bezeichnet. Diese Variationen können mit der Wahrscheinlichkeit von auftretenden Krankheiten in Verbindung gebracht werden.

Änderungen an den Chromosomen 16 und 18 wurden hierbei in Bezug auf Fettleibigkeit entdeckt. Hierbei besteht beim Träger dieser veränderten Chromosomen ein 20 bis 30 Prozent höheres Risiko zu Fettleibigkeit.

In der Mehrheit der Fälle von Fettleibigkeit war die Ursache aber nicht auf Veränderungen eines Gens (monogen) zurückzuführen. Vielmehr handelt es sich um eine komplexe Kombination von Genen in Verbindung mit den oben benannten Umwelteinflüssen. 

Was ist die „Thrifty-Genotyp-Hypothese”?

Diese Hypothese (thrifty – engl: sparsam) beruht auf Nachweisen, dass unsere Vorfahren Hungerperioden überleben konnten, weil sich ein Gen entwickelte, das den Körper dazu brachte, Fettreserven sinnvoll zu speichern. Das so gespeicherte Fett konnte vom Körper dann zur Energiegewinnung genutzt werden, bis wieder Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme bestanden.

Zeiten ohne Zugang zu Nahrung konnten dann weiter überlebt werden, wenn dieses Gen weitervererbt wurde.

Natürlich ist es heute nicht mehr nötig, auf Nahrungsjagd zu gehen oder Nahrungsvorräte anzulegen. Das Gen ist somit überflüssig geworden. Dennoch hat es immer noch einen Einfluss darauf, wie unser Körper Fett speichert.

Welchen Einfluss haben unsere Gene auf das Gewicht?

Es wird angenommen, dass über 400 unserer Gene Einfluss auf unser Körpergewicht haben können. Die Teile unserer Gene, die schlussendlich zu unserem Body Mass Index (BMI) führen, sind in allen Bereichen unserer DNS zu finden, nicht nur an einer bestimmten Stelle.

Wir würden erwarten, dass es sich um Gene handelt, die unseren Appetit beeinflussen oder das Nervensystem. Doch auch Bereiche wie das Lernen, die Erinnerung oder Emotionen sind Teil davon.

Die Gesamtheit unserer Gene kann vielerlei Einfluss haben:

  • Auf unseren Appetit
  • Auf unseren Stoffwechsel
  • Auf unser Sättigungsgefühl
  • Auf die Verteilung unseres Körperfetts
  • Auf unserere psychologische Reaktion auf Nahrung
  • Auf verstärktes, gezieltes Hungergefühl
  • Auf die Neigung zu Passivität

Der Einfluss, den unsere Gene auf unser Gewicht haben, kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Studien ergaben, dass dieser Einfluss von 25 bis 80 Prozent variieren kann.

Kann der jeweilige Einfluss der Gene auf das eigene Körpergewicht festgestellt werden?

Nein. Eine präzise Antwort würde einer umfassenden DNS-Analyse bedürfen. Es gibt jedoch einige Faktoren, die einen guten Anhaltspunkt geben können:

  • Sie haben mindestens ein Familienmitglied, das übergewichtig ist. Sind beide Eltern übergewichtig, liegt das Risiko von Übergewicht oder Fettleibigkeit bei bis zu 80 Prozent.
  • Es fällt Ihnen schwer, Gewicht zu verlieren
  • Sie waren im Wesentlichen Ihr Leben lang übergewichtig

Wenn die benannten Faktoren auf Sie zutreffen, könnten Sie Schwierigkeiten haben, ein gesundes Gewicht zu halten. Es kann dann nötig werden, sich medizinisch beraten zu lassen.

Während es leicht ist, einfach anzunehmen, dass Übergewicht in der Familie liegt, ist es hingegen recht selten, dass es sich um einen bestimmten Gendefekt handelt, der ursächlich ist. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass mehrere Genvariationen ursächlich sind, wobei ebenfalls das Lebensumfeld, wie oben beschrieben, eine Rolle spielen kann.

Die Zukunft der Genforschung und Adipositas

Den Einfluss der Gene auf Adipositas, also Fettleibigkeit, festzustellen, ist wichtig, um Behandlungsmethoden verbessern zu können und dem starken Anstieg der Anzahl Betroffener Einhalt gebieten zu können.

Die Entwicklung effektiver therapeutischer Maßnahmen basiert stark auf den Erkenntnissen der biologischen Ursachen von Übergewicht und Fettleibigkeit. 

Zukünftig könnten Programme zum Gewichtsverlust individuell gestaltet werden, direkt auf die genetische Ausgangslage ausgerichtet. So könnte Fettleibigkeit gezielt angegangen, wenn nicht gar vermieden werden.

Fettleibigkeit entsteht nicht durch eine einzige festzumachende Ursache. Beachten Sie, dass genetische Faktoren nur eine kleine Rolle spielen. Dabei bedeutet eine genetische Variation, die Fettleibigkeit begünstigen kann, nicht, dass diese unvermeidbar ist.

Wenn Sie Gewicht verlieren möchten, ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährungsweise der erste Schritt. Wenn Sie damit keine Erfolge erzielen können, sprechen Sie am besten mit einem Arzt. Sollte Ihr Gewicht zu gesundheitlichen Risiken führen, kann Ihr Arzt Ihnen zum Gewichtsverlust Medikamente verschreiben, die Teil eines Programms zum Abnehmen sind, das auch regelmäßige körperliche Betätigung und eine gesunde Ernährung umfasst.